Nachlese: 28. Jahrestagung der ÖGSF

Die 28. Jahrestagung der ÖGSF am 15. und 16. Januar im Firmament Rankweil war inhaltlich so facettenreich wie anspruchsvoll: Wissenschaft, klinische Praxis sowie fachlicher Austausch standen für diese zwei Tage im Mittelpunkt. 

Eröffnet wurde die Tagung durch den Tagungspräsidenten Primar Dr. Philipp Werner und die Landesrätin für Gesundheit in Vorarlberg, Mag. Martina Rüscher. In ihren Begrüßungsworten setzten sie ein klares Schlaglicht auf die hohe Priorität einer qualitativ hochwertigen Schlaganfallversorgung in Österreich und unterstrichen damit den gesundheitspolitischen und klinischen Stellenwert des Themas.

Ein zentraler Programmpunkt war die Hans-Chiari-Gedenkvorlesung gehalten von Univ.-Prof. Dr. Willeit, dessen Lebenswerk damit geehrt wurde. In dem Vortrag mit dem Titel „Schlaganfall – Brücken zwischen Forschung und Versorgung“ betonte er die Bedeutung der Generierung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Gleichzeitig machte er ebenso klar, dass deren Nutzen erst durch die konsequente Übersetzung in die klinische Anwendung entsteht, da nur dadurch Patient:innen real profitieren könnten. Damit appellierte er an alle jüngeren Kollg:innen auch in der Forschung mit einem klinischen Blick tätig zu sein.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Tagung lag auf „Evidenz, Innovation und Forschung“. Zu den Höhepunkten zählten die Vorträge von Univ.-Prof. Dr. Andreas Luft (Universität Zürich, „Neurorehabilitation: Neue Ansätze in der Diagnostik und Therapie“) sowie Univ.-Prof. Dr. Roland Wiest (Universitätsspital Bern, „AI in der Schlaganfallmedizin – Akutphase und Diagnostik“). Professor Wiest zeigte in einem bewusst provokanten Beitrag nicht nur die Chancen, sondern auch mögliche Risiken des Einsatzes von KI-Tools in der neuroradiologischen Diagnostik auf – ein Vortrag, der Diskussionen auslöste und die kritisches Auseinandersetzung mit dieser Thematik beförderte.

Die ausgeprägte Interdisziplinarität der Tagung spiegelte sich in Beiträgen von Schlaganfallneurolog:innen, Pflegepersonen sowie Vertreter:innen der Therapiedisziplinen Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie, der Neuropsychologie bis hin zur Pharmazie wider. Die Verleihung von Preisen in den Kategorien „Wissenschaft“, „Diplomarbeit“ sowie „Therapie und Pflege“ würdigte herausragende Leistungen aus den verschiedenen Disziplinen.

Besonders praxisnah wurde es bei der Live-Demonstration einer VR-Brille im Einsatz in der Ergotherapie von Schlaganfallpatient:innen, die eindrucksvoll zeigte, dass technische Innovation bereits Teil der gelebten klinischen Praxis ist.

Ein Highlight der State-of-the-Art-Vorträge war der Beitrag der Schweizer Neuroradiologin Dr. Vera Aebischer vom Universitätsspital Basel zum Thema „Large Core ohne Limit und MeVo Equipoise“. Mit großer fachlicher Tiefe gab sie einen umfassenden Einblick in die aktuellen Studienergebnisse und deren klinische Implikationen. Zudem eröffnete sie einen neugierigen Blick in die Zukunft der interventionellen Neuroradiologie.

Essenzieller Bestandteil des Programms bildeten die Präsentationen eigener Forschungsergebnisse, beispielhaft zu Screening-Tools für ein Delir nach Schlaganfall oder zur Entwicklung und Evaluierung eines pharmazeutischen Beratungsgesprächs nach TIA und ischämischem Schlaganfall. Die Fallberichte mit interaktivem Quiz luden zum Mitdenken ein. Junge Kolleg:innen aus ganz Österreich präsentierten hier herausfordernde Fälle aus der klinischen Praxis.

Auch abseits des Vortragsprogramms zeigte sich die Vielseitigkeit der Tagung: Beim Gesellschaftsabend wurde der Tagungsraum kurzerhand zur Dinner- und später zur Tanzlocation umfunktioniert. Selbst die eindrucksvolle Discokugel bekam einen kurzen Auftritt.

Die nächste Jahrestagung der ÖGSF wird am 21. und 22. Jänner 2027 in Niederösterreich stattfinden. Die heurige Tagung in Rankweil bleibt als Veranstaltung in Erinnerung, die die Vielfalt der österreichischen Schlaganfallgesellschaft widergespiegelt hat.

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