Weltweit ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache und eine der häufigen Ursachen von Behinderung.
Wie viele Menschen in Österreich sind betroffen?
Eine landesweite Auswertung zeigte folgende Ergebnisse: im Beobachtungszeitraum von fünf Jahren(2015 – 2019) wurden insgesamt 102.107 Patientinnen und Patienten wegen eines Schlaganfalls oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) stationär behandelt. Das entspricht im Durchschnitt rund 20.400 betroffenen Personen pro Jahr in Österreich.
Aufgeschlüsselt nach Schlaganfallformen ergeben sich folgende durchschnittliche Patientenzahlen pro Jahr:
- Ischämischer Schlaganfall: ca. 12.000 Patient:innen pro Jahr
- Transitorische ischämische Attacke: ca. 5.800 Patient:innen pro Jahr
- Intrazerebrale Blutung: ca. 1.900 Patient:innen pro Jahr
- Subarachnoidalblutung: ca. 700 Patient:innen pro Jahr
Damit macht der ischämische Schlaganfall etwa zwei Drittel aller Fälle aus, während Blutungen insgesamt deutlich seltener sind
Wie viele Schlaganfälle gibt es pro Jahr (Inzidenz)?
Für Österreich ergaben sich im Jahr 2019 folgende altersbereinigte jährliche Hospitalisierungsraten:
- Ischämischer Schlaganfall: rund 173 Fälle pro 100.000 Einwohner
- TIA: etwa 75 Fälle pro 100.000 Einwohner
- Intrazerebrale Hirnblutung: ca. 23 Fälle pro 100.000 Einwohner
- Subarachnoidalblutung: rund 10 Fälle pro 100.000 Einwohner
Diese Werte liegen im Bereich vergleichbarer europäischer Länder
Entwicklung über die Zeit
Erfreulich ist der beobachtete Rückgang der Inzidenz zwischen 2015 und 2019. Die Krankenhausaufenthalte wegen eines ischämischen Schlaganfalls nahmen um etwa 7 %, jene wegen einer TIA sogar um 13 % ab. Besonders deutlich war der Rückgang bei intrazerebralen Blutungen (minus 20 %). Diese Entwicklung zeigte sich in nahezu allen Altersgruppen
Als mögliche Gründe gelten verbesserte Primärprävention, etwa durch bessere Blutdruckkontrolle, moderne Blutverdünnung bei Vorhofflimmern und allgemein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein. Gleichzeitig treten Schlaganfälle heute häufiger im höheren Lebensalter und im Durchschnitt weniger schwer auf.
Strategische Perspektive: Schlaganfall bis 2035
Die vorliegenden epidemiologischen Daten zeigen klar: erfolgreiche Prävention senkt die individuelle Gefahr eines Schlaganfalls – sie verhindert jedoch keinen Anstieg der absoluten Fallzahlen. Durch die demografische Alterung wird die Zahl der Menschen in Hochrisiko-Altersgruppen weiter deutlich zunehmen. Bereits die österreichweiten Daten belegen, dass Schlaganfälle heute häufiger im höheren Lebensalter auftreten
Aktuelle Versorgungsplanungen auf Basis realer Fallzahlen und Bevölkerungsprognosen zeigen exemplarisch, welche Entwicklung bevorsteht: Für Wien wird bis 2035 ein Anstieg der absoluten Schlaganfallfälle um nahezu 20 % prognostiziert, was künftig rund 6.000 stationär behandelte Schlaganfälle pro Jahr bedeutet. Dieser Zuwachs ist nahezu vollständig durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar und tritt trotz sinkender altersbereinigter Inzidenz auf
Übertragen auf ganz Österreich ist daher ebenfalls mit einem signifikanten Anstieg der jährlichen Schlaganfallzahlen bis 2035 zu rechnen. Für die Schlaganfallversorgung bedeutet dies: Der zukünftige Bedarf wird weniger von einer steigenden Krankheitsrate als von der Demografie bestimmt sein. Aus Sicht der Österreichischen Schlaganfallgesellschaft unterstreicht dies die Notwendigkeit einer vorausschauenden nationalen Schlaganfallstrategie, die Prävention, Akutversorgung, Rehabilitation und strukturierte Nachsorge gemeinsam adressiert. Nur durch den konsequenten Ausbau spezialisierter Versorgungsstrukturen, insbesondere Stroke Units, sowie durch wirksame sekundärpräventive Programme kann die wachsende Krankheitslast bewältigt und die Selbstständigkeit Betroffener langfristig erhalten werden.
Fazit
Jährlich sind in Österreich rund 20.000 Menschen von einem Schlaganfall oder einer TIA betroffen. Trotz rückläufiger Inzidenz bleibt der Schlaganfall eine der wichtigsten Volkskrankheiten. Die Daten zeigen aber klar: Prävention und moderne Versorgung wirken – und sind entscheidend, um die Krankheitslast weiter zu senken.